IDA OHL, FRÜHER BASDORF

 

Dat Huus passen

 

As Heine hin no Schwensby for,

um Hanni 'n beten to help'n dor,

lad Miede sick ne Fründin in,

de sull ehr 'n beten de Tied verdrieb'n.

 

Se verlevden so denn feine Dag.

Miede sorg' ümmer good för de Maag,

dormit se ni vun Kräft'n keem

un ümmer op 'n Posten bleem.

 

Mit twee Fruuns kunn se dat grad so maken,

doch de Höhnerklapp bleev, beet dat dat düüster weer, apen.

Dor güng'n se denn mit de Taschenlamp hin

un freun sick, wenn se weern wedder bin.

 

Wenn in't Fernseh'n nicks weer, wat se intresseer,

kreeg'n se sick de Albums her,

de Fotografien vun old un vun jung

weckten denn so männig Erinnerung.

 

Doch feine Dag vergaht jo schnell,

un Heine, de weer werr to Stell

un Miede röhr noch Porten an,

denn Oldjahrsabend rück heran.

 

Mit good'n Moot un veel Geschick

— ock nich to dünn un nich to dick —

kreeg se dat fein torecht —

dat smeckt förwohr nich slecht.

 

Un Miede leep un hol heran

noch gau de Förtenpann.

Nu güng dat backen denn jo los,

de Porten brutzeln ganz famos —

un beide mit een froh Gesicht

freun se sick op dat schön Gericht.

 

Doch denn mit eenem Mal

störr Miede de Fettputt dal —

un ganz verdutzt schree Ide:

„Miede! Miede! Miede! —

 

Dat wat geschehn weer, weer geschehn,

dor holp keen Jammern un keen Ween,

de Deeg, de kunn nich blieben stahn,

de Kram, de muß ja wieder gahn.

 

So stünn denn Miede dor to backen

mit witte Fettränn um de Hacken

un Ide ümmer — äs so'n Kater

um ehr rüm, — mit hidde Water,

dormit se ut dat Fett ruut keem,

dat leep ehr ock all mank de Teen.

 

Se glee un segel hin un her,

äs weer se vull vun Köm un Beer,

un Ide in ehr „Raumkomfort"

ock meist dat Gliekgewicht verloor. —

 

As Heine in de Dör rinkeem,

de beid'n in Empfang em neem',

dormit he dat man gau begreep

un sick nich in dat Fett fass leep.

 

Doch as de Porten denn weer'n goor,

harr Ide tämlich allns werr kloor,

denn hebbt se sick dat schmecken laaten,

un se hett denn nix mehr verdraaten.

Un Miede meen mit frischen Moot:

„De Schaden weer ja nich so groot!"

Denn lachen se und säg'n dorbi:

„Dat Schlimmste weer de Schwienerie."


Frauen nach Büttenwarder?

 

In Büttenwarder – Fluch oder Segen? –
sind keine Frauensleut' zugegen.
Man sieht dort nie ein Frauenzimmer!
Die Kerle sind alleine immer.
Ob Adsche, Kuno, Brackelmann – 
kein Mann im Dorf mal knutschen kann.
Es mangelt an Gelegenheit;
nie lockt ein Hauch von Weiblichkeit.
Um dieses Dorfes Männerwelt
ist's deshalb gar nicht gut bestellt:
Vor Gram sie in die Kneipe gehn,
um an der Theke rumzustehn
und, ohne drüber nachzudenken,
des Tages Öde zu ertränken.
Wenn Männer nur die Gläser heben,
Wie soll es da wohl Nachwuchs geben?
Für Büttenwarder sieht, oh, Graus,
die Zukunft deshalb düster aus.

Was wäre nun, wenn aber doch?
Wär' Büttenwarder immer noch
der norddeutsch-friedlich öde Ort,
wo selten fällt ein böses Wort?
Wo Dröhnigkeit die Welt regiert
und keiner die Geduld verliert?
Blieb Shortys Krug der Mittelpunkt,
wo keine Frau dazwischenfunkt? — —

Freund Kuno würd' beim Weibe bleiben,
Statt sich bei Shorty rumzutreiben.
Und Adsche liebte statt des Mofas
die weichen Kissen seines Sofas
und schnarchte an des Weibes Seit' —
vorbei wär's mit der Lustigkeit!
Der Drehbuchmensch, so mein Empfinden,
Müsst' Büttenwarder neu erfinden.
Drum darf' s ruhig bleiben ohne Frau'n,
dann wird man's gerne weiterschau'n.

© Ernesto Handmann

 


Verfasser unbekannt

Der alte Christbaumständer


Beim Aufräumen des Dachbodens - ein paar Wochen vor Weihnachten -entdeckte ein Familienvater in einer Ecke einen ganz verstaubten, uralten Weihnachtsbaumständer Es war ein besonderer Ständer mit einem Drehmechanismus und einer eingebauten Spielwalze. Beim vorsichtigen Drehen konnte man das Lied "O du fröhliche" erkennen. Das musste der Christbaumständer sein, von dem Großmutter immer erzählte, wenn die Weihnachtszeit herankam. Das Ding sah zwar fürchterlich aus, doch da kam ihm ein wunderbarer Gedanke. Wie würde sich Großmutter freuen, wenn sie am Heiligabend vor dem Baum säße und dieser sich auf einmal wie in uralter Zeit zu drehen begänne und dazu "O du fröhliche" spielte. Nicht nur Großmutter, die ganze Familie würde staunen.

Es gelang ihm, mit dem antiken Stück ungesehen in seinen Bastelraum zu verschwinden. Gut gereinigt, eine neue Feder, dann müsste der Mechanismus wieder funktionieren, überlegte er. Abends zog er sich jetzt geheimnisvoll in seinen Hobbyraum zurück, verriegelte die Tür und werkelte. Auf neugierige Fragen antwortete er immer nur "Weihnachtsüberraschung ". Kurz vor Weihnachten hatte er es geschafft. Wie neu sah der Ständer aus, nachdem er auch noch einen Anstrich erhalten hatte.

Jetzt aber gleich los und einen prächtigen Christbaum besorgen, dachte er. Mindestens zwei Meter sollte der messen. Mit einem wirklich schön gewachsenen Exemplar verschwand Vater dann in seinem Hobbyraum, wo er auch gleich einen Probelauf startete. Es funktionierte alles bestens. Würde Großmutter Augen machen!

 Endlich war Heiligabend . "Den Baum schmücke ich alleine", tönte Vater. Soaufgeregt war er lange nicht mehr. Echte Kerzen hatte er besorgt, alles sollte stimmen. "Die werden Augen machen", sagte er bei jeder Kugel, die er in den Baum hing. Vater hatte wirklich an alles gedacht. Der Stern von Bethlehem saß oben auf der Spitze, bunte Kugeln, Naschwerk und Wunderkerzen waren untergebracht, Engelhaar und Lametta dekorativ aufgehängt. Die Feier konnte beginnen.

 

Vater schleppte für Großmutter den großen Ohrensessel herbei. Feierlich wurde sie geholt und zu ihrem Ehrenplatz geleitet. Die Stühle hatte er in einem Halbkreis um den Tannenbaum gruppiert. Die Eltern setzten sich rechts und links von Großmutter, die Kinder nahmen außen Platz. Jetzt kam Vaters großer Auftritt. Bedächtig zündete er Kerze für Kerze an, dann noch die Wunderkerzen. "Und jetzt kommt die große Überraschung", verkündete er, löste die Sperre am Ständer und nahm ganz schnell seinen Platz ein.

Langsam drehte sich der Weihnachtsbaum , hell spielte die Musikwalze "O du fröhliche". War das eine Freude! Die Kinder klatschten vergnügt in die Hände. Oma hatte Tränen der Rührung in den Augen. Immer wieder sagte sie: "Wenn Großvater das noch erleben könnte !" Und : "Daß ich das noch erleben darf." Mutter war stumm vor Staunen.

Eine ganze Weile schaute die Familie beglückt und stumm auf den sich im Festgewand drehenden Weihnachtsbaum , als ein schnarrendes Geräusch sie jäh aus ihrer Versunkenheit riss. Ein Zittern durchlief den Baum, die bunten Kugeln klirrten wie Glöckchen. Der Baum fing an, sich wie verrückt zu drehen. Die Musikwalze hämmerte los.

Es hörte sich an, als wollte "O du fröhliche" sich selbst überholen. Mutter rief mit überschnappender Stimme: "So tu doch etwas!" Vater saß wie versteinert, was den Baum nicht davon abhielt, seine Geschwindigkeit zu steigern. Er drehte sich so rasant, dass die Flammen hinter ihren Kerzen herwehten. Großmutter bekreuzigte sich und betete. Dann murmelte sie: "Wenn das Großvater noch erlebt hätte."

Als Erstes löste sich der Stern von Bethlehem, sauste wie ein Komet durch das Zimmer, klatschte gegen den Türrahmen und fiel dann auf Felix, den Dackel, der dort ein Nickerchen hielt. Der arme Hund flitzte wie von der Tarantel gestochen aus dem Zimmer in die Küche, wo man von ihm nur noch die Nase und ein Auge um die Ecke schielen sah.

Lametta und Engelhaar hatten sich erhoben und schwebten wie ein Kettenkarussell am Weihnachtsbaum . Vater gab das Kommando "Alles in Deckung!" Ein Rauschgoldengel trudelte losgelöst durchs Zimmer, nicht wissend, was er mit seiner plötzlichen Freiheit anfangen sollte. Weihnachtskugeln , gefüllter Schokoladenschmuck und andere Anhängsel sausten wie Geschosse durch das Zimmer und platzten beim Aufschlagen auseinander.

Die Kinder hatten hinter Großmutters Sessel Schutz gefunden. Vater und Mutter lagen flach auf dem Bauch, den Kopf mit den Armen schützend. Mutter jammerte in den Teppich hinein: "Alles umsonst, die viele Arbeit, alles umsonst!" Vater war das alles sehr peinlich. Oma saß immer noch auf ihrem Ehrenplatz, wie erstarrt, von oben bis unten mit Engelhaar und Lametta geschmückt.

Als gefüllter Schokoladenbaumschmuck an ihrem Kopf explodierte, registrierte sie trocken "Kirschwasser" und murmelte: "Wenn Großvater das noch erlebt hätte!" Zu allem jaulte die Musikwalze im Schlupfakkord "O du fröhliche", bis mit einem ächzenden Ton der Ständer seinen Geist aufgab.

Durch den plötzlichen Stopp neigte sich der Christbaum in Zeitlupe, fiel aufs kalte Buffet, die letzten Nadeln von sich gebend. Totenstille! Großmutter, geschmückt wie nach einer New Yorker Konfettiparade, erhob sich schweigend. Kopfschüttelnd ging sie auf ihr Zimmer, eine Lamettagirlande wie eine Schleppe hinter sich her tragend. In der Tür stehend sagte sie : "Wie gut, dass Großvater das nicht erlebt hat!"

Mutter, völlig aufgelöst zu Vater: "Wenn ich mir diese Bescherung ansehe, dann ist deine große Überraschung wirklich gelungen."
Andreas meinte: "Du, Papi, das war echt stark! Machen wir das jetzt Weihnachten immer so?"